Sommer 2021: Hellevoetsluis

Sonntag, 4. Juli 2021
Maastricht – Maasbracht

Heute starten wir zu unserer diesjährigen Sommertour. Zum Glück hat sich die Corona-Lage so entwickelt, dass wir (beide geimpft) mit der Hoffnung auf vier einigermaßen unbeschwerte Wochen auf die Reise gehen können. Um 7:45 gibt’s Frühstück, und um 8:45 verlassen wir unseren Liegeplatz in der Marina Maastricht, Rudi und Gabi von der „Bommel“ winken zum Abschied.

Das Wetter ist ein angenehmer Sonne-/Wolkenmix von 20 Grad und Maastricht zeigt sich wieder einmal von seiner schönen Seite.

Auf dem Julianakanal ist es ruhig, Begegnungen wie hier sind seltene Ausnahmen.

Um kurz nach 11 Uhr sind wir an der Schleuse Born, die Ampel zeigt Grün, wir können sofort einfahren und 20 Minuten später geht es schon weiter.

Auch durch die Schleuse Maasbracht kommen wir zügig und schon um 13:20 können wir im Passantenhafen Maasbracht anlegen. Hier sind wir mit Theo und Beate verabredet, mit denen wir 5 Jahre im Hafen von Ohé en Laak gelegen haben. Zu unserer großen Überraschung sind die beiden aber nicht aus Ohé mit dem Auto gekommen, sondern legen direkt vor uns mit ihrem Boot „Solitaire“ an. Coronabedingt haben wir uns lange nicht mehr gesehen und die Wiedersehensfreude ist groß. Zwischen 14 und 15 Uhr erleben wir dann ein heftiges Unwetter mit Starkregen und Sturm, und wir sind sehr froh, dass die Boote schon fest vertäut liegen.

Kaffee am Nachmittag mit Gebäck und Geschichten, Abendessen im griechischen Restaurant El Greco gegenüber dem Hafen und dann werden noch bei dem einen oder anderen Glas Wein die Erlebnisse der letzten Zeit ausgetauscht.

Maastricht-Maasbracht: 40 km
Fahrzeit: 4:30 h
Schleusen: 2
Betriebsstunden: 4:02 h / 172,5
Hafenkosten: 21 €

Montag, 4. Juli 2021
Maasbracht – Venlo

7:30 Aufstehen (noch sind wir nicht ganz im Urlaubsmodus angekommen), es ist bedeckt und 16 Grad, Jutta fährt zum Plus, um uns mit frischen Brötchen fürs Frühstück zu versorgen. Theo kümmert sich um das Frühstück für den Hafenschwan.

Abschied von Theo und Beate, die sich aber mit dem Gedanken tragen, eventuell ihr Boot in unsere Marina zu verlegen. Um 9:30 legen wir ab und sind um 10 Uhr an der Schleuse Heel. Kurze Wartezeit, dann werden wir geschleust und sind um 10:30 auf dem Lateraalkanaal.

Auch für die zweite Schleuse des heutigen Tags, Sluis Belfeld, brauchen wir nur 20 Minuten, und um 13:30 können wir schon beim WSV „de Maas“ in Venlo am langen Steg G anlegen. Der Rest des Tages ist Essen-Schlafen-Lesen-Duschen und ab 19 Uhr ein leckeres Abendessen in der Brasserie „Admiraal“ im Hafen. Auf dem Rückweg entdecken wir noch ein putziges kleines Traditionsschiffchen.

Maasbracht – Venlo: 37 km
Fahrzeit: 4:00 h
Schleusen: 2
Betriebsstunden: 3:32 h / 176,3
Hafenkosten: 15,60 €

Dienstag, 6. Juli 2021
Venlo – Leukermeer

8:30 Frühstück es ist bedeckt, aber mit 20 Grad recht warm. Um 9:30 legen wir ab. Bis zum Leukermeer haben wir heute nur 25 km, keine Schleusen, also eine kurze und entspannte Fahrt. Jutta vertreibt sich die Zeit mit Niederländisch-Lernen.

Auf dem AIS kann man gut erkennen, dass wir gerade eine Fähre passiert haben, die die Maas überquert, und dass uns hinter der nächsten Kurve ein Berufsschiff entgegenkommt.

In Höhe von Wanssum begeben wir einem Containerschiff, das wahrscheinlich unterwegs ist zum Containerhafen von Venlo, wo wir heute übernachtet haben.

Um 11:45 sind wir im Hafen Leukermeer, und der ist wiedermal rappelvoll. Mit viel Glück finden wir den letzten freien Platz, und das Anlegen ist ein bisschen tricky, denn inzwischen ist starker Wind mit 5 Beaufort und heftigen Böen bis 7 Beaufort aufgekommen. Klappt aber dann doch ganz gut und Jutta geht zum Hafenkantor. Bezahlen ist dort jetzt nur noch am Automaten möglich. Immerhin kann man seit letztem Jahr an einem kleinen roten Ballon in der Box erkennen, ob man als Gast dort anlegen kann.
Abends Halbfinale EM Italien – Spanien. Wir hätten uns den Sieg für die Spanier gewünscht, aber deren Nerven sind dem Elfmeterschießen nicht mehr gewachsen: 4:2 für Italien.

Venlo – Leukermeer: 26 km
Fahrzeit: 2:17 h
Schleusen: 0
Betriebsstunden: 2:17 h / 178,7
Hafenkosten: 15,60 €

Mittwoch, 7. Juli 2021
Leukermeer

Vor dem Frühstück fährt Jutta zum kleinen Camping-Supermarkt und holt Brötchen.

Prima Wetter heute, Sonnen mit ein paar Wolken und lekker warm. Wir fahren ein bisschen mit dem Fahrrad durch die wunderschöne Dünen- und Heidelandschaft rings um das Reindersmeer.

Kleines Mittagessen in der „Bosbrasserie in de Sluis“, die mitten in der ehemaligen Schleuse zwischen Leukermeer und Reindersmeer liegt. Hier wurden früher die Sand- und Kiesfrachter durchgeschleust.

Die Nilgänse halten sich gerne am Weg im Hafen auf, verziehen sich bei Annäherung mit ihren 10 Kindern sofort ins Wasser.

Das Leukermeer, bis vor zwei Jahren immer ein riesiger Wasser-Rummelplatz, ist menschenleer, aber am gegenüberliegenden Ufer wird in Erwartung besserer Zeiten kräftig gebaut.

Der Rest des Tages vergeht mit Lesen, Schwimmen, SUPen (Stand Up Paddeln). Abends zweites Halbfinale der EM, unser Favorit Dänemark verliert leider gegen England durch ungerechtfertigten Elfmeter in der Verlängerung 2:1.

Donnerstag, 8. Juli 2021
Leukermeer – Plasmolen

Um 8:00 holt Jutta Brötchen, es ist sonnig, windstill und angenehme 20 Grad. Um 9:30 legen wir ab. Auf der Maas ist heute reichlich Verkehr, schon bei der Ausfahrt aus dem Leukermeer müssen wir drei Berufsschiffe vorbeilassen. Um 10:40 sind wir an der Schleuse Sambeek, der einzigen für heute. Hier müssen wir erstmal zusammen mit dem Berufsschiff „Adria S“ warten, später kommt noch die „Triade“ aus Rumänien und drei Yachten dazu.

Auch unsere Bootsnachbarn in Leukermeer, die eine halbe Stunde nach uns losgefahren sind, sind inzwischen da. Um 11:30 können wir dann ausfahren. Die Poller in Sambeek liegen für uns ziemlich ungünstig, aber die Triade fährt sehr langsam heraus, so dass wir überhaupt keine Probleme mit Schraubenwasser haben.

Um 13:20 legen wir in Plasmolen an. Das Hafenrestaurant „De Boei“ hat den Besitzer gewechselt und heißt jetzt „Eetcafé Buitengewoon“ und hat eine kleine, aber ganz interessante Karte. Unsere „Kipreepjes Lemongrass“ sind nach TexMex-Art zubereitete Hühnerstreifen, ein bisschen scharf und sehr lecker. Gegenüber hat die „Carpe Diem“ angelegt, die schon im Leukermeer am Nachbarsteg lag.

Die Besitzer, Birgit und Siggi, kommen aus Koblenz und sind schon ein paar Wochen unterwegs. Wir laden sie nach dem Abendessen auf einen Wein ein und haben zusammen einen sehr unterhaltsamen Abend. Bootsfahrer haben sich ja immer was zu erzählen. Am späten Abend schimmern die Lichter des gegenüberliegenden Hafens „De Driesen“ übers Wasser.

Leukermeer – Plasmolen: 33 km
Fahrzeit: 3:50 h
Schleusen: 1
Betriebsstunden: 3:42 h / 182,4
Hafenkosten: 69,11 € (3 Nächte)

Freitag, 9. Juli 2021
Plasmolen

Der Tag beginnt mit Frühstück, Schwimmen, Putzen, Duschen, Blog schreiben.
Um 13 Uhr holt uns mein Bruder Günther mit dem Auto ab. Da wir uns an unseren Aldi-Alu-Klappstühlen ein bisschen satt gesehen haben, haben wir beschlossen, uns mal zwei neue Klappstühle zu leisten. Auf dem Weg vom Hafen nach Kleve gibt es zufälligerweise ein gut sortiertes Teakmöbel-Geschäft und da finden wir auch zwei wunderschöne Exemplare. Dann führt uns Günther in Kleve durch seine Ausstellung im Museum Kurhaus.

Aus Anlass seines siebzigsten Geburtstags hat er diese tolle Ausstellung bekommen, die einen Querschnitt seiner Arbeiten von den frühen 70er Jahren bis heute in einem wunderschönen Ambiente sehr großzügig präsentiert.

Im rechten Teil des Museums Kurhaus ist parallel aus Anlass seines hunderten Geburtstags eine Beuys-Ausstellung zu sehen.
Zum Abschluss des Tages sehr leckere Wiener Schnitzel im Landgasthof Westrich in Till mit Günther und Isa.


Samstag, 10. Juli 2021
Plasmolen

Der Tag beginnt mit einem Frühstück auf den neuen Stühlen.

Wir verabschieden uns von Birgit und Siggi, die sich langsam wieder auf den Heimweg Richtung Koblenz machen.

Wir fahren mit den Rädern zur Fähre nach Cuijk.

In Cuijk müssen wir natürlich wieder in die „Via Cannella“, einen der tollsten Küchenläden, die ich kenne, aber diesmal halten wir uns zurück, nachdem wir beim letzten Besuch schon üppig zugeschlagen haben. Aber natürlich gibt es dann wieder den leckeren Kibbeling im Viswinckel Cuijk, der uns vor zwei Jahren schon begeistert hat.

Sonntag, 11. Juli 2021
Plasmolen – Culemborg

Um 8:15 legen wir in Plasmolen im Frühnebel ab.

Die Schutzschleuse Heumen steht wie immer offen.

Um 9:55 sind wir an der Schleuse Weurth und der Nebel hat sich weitgehend verzogen. Hier geht es nur 60cm abwärts und wir sind in 15 Minuten wieder draußen.


Ich bin immer wieder begeistert über die Freundlichkeit und Professionalität der niederländischen Verkehrsposten. Wir melden uns bei der Ausfahrt aus Schleuse Weurth beim VP Nijmegen an und teilen unser Fahrtziel mit, der Posten informiert uns, dass wir noch kurz warten sollen, bis ein Schubverband in Talfahrt vorbei ist.

Als der dann vorbei ist, gibt er die Ausfahrt frei, informiert uns noch, dass in 1600 Meter ein Bergfahrer kommt und wünscht uns eine gute Reise. Toll!
Dann geht es ab auf die Waal. Immer wieder ein bisschen Abenteuer, bei heftigem Wellengang zwischen der Großschifffahrt mit 16 km/h. Was auf dem Bild ziemlich harmlos aussieht, wirkt in der Realität doch etwas bedrohlicher: Vor uns ein riesiger Veerhaven-6er-Schubverband, links kommt uns ein Bergfahrer und rechts ein Bergfahrer mit blauer Tafel entgegen.

Nach 25 km Waal biegen wir nach Steuerbord ab in den Amsterdam-Rijn-Kanaal, wo die Prins-Bernard-Schleuse schon kurz darauf geöffnet wird.

Der Amsterdam-Rijn-Kanaal, über den viel Schreckliches erzählt wird, ist in diesem Abschnitt und an diesem Sonntag fast leer und absolut harmlos. Hinter der offen stehenden Prinses-Marijke-Schleuse geht es nach Backbord in den Lek.

Der Lek ähnelt mehr der Maas als der Waal, sehr ruhig und wenig befahren. Heute kommt uns allerdings entgegen, dass er mehr Strömung als die Maas hat, und so können wir mit 14 km/h fahren. Dank der Strömung auf Waal und Lek und der flotten Schleusungen haben wir die 67 km und zwei Schleusungen heute in glatt 6 Stunden geschafft. In Culemborg legen wir am langen Passantensteiger an.

Culemborg ist ein malerisches typisch holländisches Städtchen am Rande der Betuwe (Hollands Obst- und Gemüsegarten) und wir beschließen, hier noch einen Tag zu bleiben.

Wir gehen essen in der Brasserie Streek am Markt, freuen uns über eine sehr gute Küche und ärgern uns über einen katastrophalen Service.
Später dann noch Englands Elfmeter-Drama im Fernsehen.
Abendstimmung im Hafen.

Plasmolen – Culemborg: 67 km
Fahrzeit: 6:00 h
Schleusen: 2
Betriebsstunden: 5:48 h / 188,2
Hafenkosten: 42,20 € (2 Nächte)

Montag, 12. Juli 2021

Da uns Culemborg wirklich gut gefällt, haben wir gestern beschlossen, noch einen Tag hier zu bleiben. Der Hafen ist sehr angenehm, die Duschen sehr schön und man ist zu Fuß in wenigen Minuten mitten im Städtchen. Passanten-Liegeplätze sind allerdings knapp, nach uns kamen noch Boote, die keinen Platz mehr gefunden haben. Nach dem Frühstück fahren wir mit den Rädern ein paar Kilometer in die wunderschöne Betuwe-Landschaft auf dem Deich am Lek entlang.

Unterwegs kaufen wir in einem Hofladen leckere Kirschen.

Ansonsten Einkaufen, nette Gespräche mit niederländischen Bootsfahrern und ein Glas Rotwein auf dem Achterdeck.

Dienstag, 13. Juli 2021
Culemborg – Schoonhoven

Eigentlich hatten wir Schoonhoven schon aus der Planung gestrichen und wollten heute von Culemborg direkt bis Dordrecht durchfahren, aber ein niederländischer Bootsnachbar hat uns gestern davon überzeugt, dass sich ein Besuch in Schoonhoven lohnen würde. Also haben wir heute nur 31 Kilometer und eine Schleuse zu fahren. Um 8:50 schlängeln wir uns aus dem engen Hafen auf den Lek und sind schon um 9:25 an der Schleuse Hagestein. Das ist eine interessante Konstruktion: Zwei riesige halbkreisförmige Tore, die bei Hochwasser hochgezogen werden können, die Schifffahrt geht dann direkt durch. Im Normalfall wie heute bleiben die Tore unten und die Schiffe fahren durch die Schleuse.

Hagestein geht nur einen Meter abwärts, um 9:55 sind wir wieder draußen und dank der Strömung sind wir um 11:45 in Schoonhoven. Die Einfahrt zum Jachthaven Wilgerak ist schmal, aber mit Tonnen markiert und der Hafenmeister weist uns den Platz E3 in einer Box zu.

Nach der Mittagspause machen wir uns mit der Fiets auf den kurzen Weg in die Stadt. Schoonhoven ist eine typisch südholländische Kleinstadt mit schöner Atmosphäre.

Schoonhoven ist die „Silberstadt“ der Niederlande, bekannt für Gold- und Silberschmiedehandwerk und Uhrmacherei. Außer einer entsprechenden Fachschule gibt es das einzige Silbermuseum der Niederlande mit interessanten Ausstellungen.

Abends essen wir eine Kleinigkeit im Restaurant „Rivero“ am Lek, wo die Fähre nach Nieuwpoort, dem Städtchen auf der anderen Seite, anlegt.

Culemborg – Schoonhoven : 31 km
Fahrzeit: 2:55 h
Schleusen: 1
Betriebsstunden: 2:36 h / 190,8
Hafenkosten: 44,00 € (2 Nächte)

Mittwoch, 14. Juli 2021
Schoonhoven

Schoonhoven, ursprünglich nur als Übernachtung geplant, dann gestrichen, gefällt uns nun so gut, dass wir einen weiteren Tag hier verbringen. Culemborg und Schoonhoven sind die beiden einzigen Orte der Reise, an denen wir noch nie waren, und da wäre es ja dumm, wenn nur durchfahren würde. Morgens kaufen wir ein bisschen auf dem Schoonhovener Wochenmarkt ein, nachmittags fahren wir mit den Fietsen zur Fähre über den Lek, um Nieuwpoort zu besuchen, eine alte Festungsstadt. Hier ist alles klein und sehr ruhig.

Abends kommen schlechte Nachrichten aus unserem Heimathafen „Maastricht Marina“. Seit gestern ist das Wasser der Maas um drei Meter gestiegen, das ist mehr, als wir je erlebt haben, im Sommer auch absolut ungewöhnlich. Eric, der Hafenmeister schreibt uns, dass eine allerdings sehr geringe Gefahr besteht, dass der Parkplatz überschwemmt wird. Da steht unser Auto und wir haben beide Schlüssel hier an Bord. Au weia. Im Fernsehen sehen wir, dass auch Aachen wie große Teilen von NRW mit gewaltigen Wassermasse zu kämpfen hat. Wir überlegen, ob möglicherweise einer von uns morgen von Dordrecht aus nach Maastricht fahren soll.

Donnerstag, 15. Juli 2021
Schoonhoven – Dordrecht

Wenn ich letzte Tage geschrieben habe, dass der Lek ein ruhiger Fluss mit wenig Verkehr sei, galt das wohl nur für den Sonntag, heute ist zwar nicht so viel los wie auf der Waal, aber doch erheblich mehr als auf der Maas. Wir starten um 8:10 Uhr bei leichtem Regen und 17 Grad. Der Lek hat in diesem Teil Gezeitenströmung, deshalb fahren wir heute nicht wie am Sonntag mit 14 km/h, sondern nur mit 10 km/h.

Beim Unesco-Weltkulturerbe „Molen van Kinderdijk“ (vom Fluss aus nicht sehr gut zu sehen), biegen wir nach Süden auf die Noord ab.

Um 10:40 sind wir an der Einfahrt zum Hafen und gerade, als wir um die Ecke biegen, fährt ein Segelboot heraus und die Ampel springt auf Grün. Hier wird schon seit über einem Jahr die Hebebrücke erneuert und wir müssen wie schon im letzten Jahr durch eine sehr enge gebogene Durchfahrt, bei der ich jedesmal ins Schwitzen komme. Der Hafenmeister schickt uns auf einen Platz direkt an der Brücke mit viel Baustellenlärm, der auch nicht einfach anzusteuern ist. Beim Bezahlen im Büro frage ich nach einem anderen Platz und auf einmal gibt es auch eine Alternative im hinteren Bereich, wo wir auch in den vergangenen Jahren immer gelegen haben. Auch hier ein bisschen Rangieren mit Seitenwind, aber letztlich klappt es dann. Hier in Dordrecht im Herzen der Stadt vor der Groote Kerk liegen wir immer wieder gern.

Nachrichten aus Maastricht: Unser Plan, mit der Bahn nach Maastricht zu fahren, um das Auto umzuparken, wäre inzwischen sinnlos, weil auch die Zufahrten zum Hafen nicht mehr befahrbar sind. Aktuell sieht es um viertel nach zehn so aus:

Bis Mitternacht wird noch ca 1 Meter Anstieg erwartet, wenn das Auto bis dahin nicht überschwemmt ist, ist alles überstanden.

Update am Nachmittag:
Unser Bootsnachbar Ralf berichtet aus der Marina Maastricht, dass inzwischen die Autos auf dem Parkplatz bis zur Windschutzscheibe unter Wasser stehen. Damit ist unser anderthalb Jahre altes schönes Elektroauto wohl Schrott. Wenn man den Wasserstand auf dem Foto sieht und die Prognosen von Rijkswaterstaat, dann musste man damit wohl rechnen. Wir können jetzt nur noch hoffen, dass wir Ende nächster Woche den Rückweg mit dem Boot antreten können.

Schoonhoven – Dordrecht: 28 km
Fahrzeit: 2:35 h
Schleusen: 1
Betriebsstunden: 2:33 h / 193,6
Hafenkosten: 56,82 € (2 Nächte)

Freitag, 16. Juli 2021
Dordrecht

Schlimme Nachrichten aus NRW, Aachen und der Provinz Limburg. Ein solches Hochwasser hat es seit Menschengedenken nicht gegeben. Ein Foto von unserem Steg erreicht uns:

Das Rote ist die Spitze der Dalbe, die normalerweise ca 3 Meter über dem Steg ist.Die Verankerung des Stegs an der Dalbe ist abgerissen und der ganze Steg hat sich heftig verformt. Da werden umfangreiche Reparaturarbeiten fällig. So sieht es normalerweise aus:

Nachmittags macht Jutta mit ihrem Board eine Hafenrundfahrt.

Abendessen im „De Stroper“, einem sehr guten Fischrestaurant, wo es ein Viergängemenü für erstaunlich günstige 34 Euro gibt.


Samstag, 17. Juli 2021
Dordrecht – Hellevoetsluis

Um 9:10 öffnet der Hafenmeister die kleine Eisenbrücke im Hafen.

Auch ein ca 20 Meter-Koloss von gegenüber schafft es, zu wenden und dann durch die enge Behelfsausfahrt aus dem Hafen auf die Oude Maas zu fahren.

Im Gegensatz zum letzten Besuch 2019, als wir auf dem Haringvliet mit Windstärke 7 zu kämpfen hatten, ist die Fahrt heute bei 3-4 Beaufort ruhig und entspannt.

Um 13:20 legen wir am langen Passantensteg in der schönen Marina „Cape Helius“ problemlos an.

Die Marina „Cape Helios“ in Hellevoetsluis ist einfach ein toller Hafen, super Lage, alles sehr gepflegt, sehr netter und hilfsbereiter Hafenmeister. Wir haben einen schönen Liegeplatz am langen Passantensteiger, schöne Aussicht vom Achterdeck, Strom und Wasser gratis. Könnte alles perfekt sein, wenn wir schon mal eine Ahnung hätten, wie wir irgendwann wieder nach Maastricht kämen. Zunächst mal sind wir aber fest entschlossen, die Zeit hier zu genießen. Wir fahren mit der Fiete in den Ort, trinken ein Bier im „De Waag“ und essen an Bord.

Unser Bootsnachbar Ralf schickt uns ein Foto vom Parkplatz der Marina fünf Stunden nach dem Höchststand. Unser Auto ist das erste rechts. Da wird nichts mehr zu retten sein.

Dordrecht – Hellevoetsluis: 44 km
Fahrzeit: 4:12 h
Schleusen: 1
Betriebsstunden: 4:12 h / 198,0
Hafenkosten: 59,20 € (3 Nächte)

Sonntag, 18. bis Freitag, 23.7.2021
Hellevoetsluis

Sonntag
Super Wetter hier in Hellevoetsluis, die damit werden, die niederländische Stadt mit den meisten Sonnenscheinstunden zu sein. Da könnte was dran sein. Viel gibt es hier nicht zu schreiben: Essen, Trinken, Schwimmen, SUPen, Lesen. Abends gehen wir im Restaurant „Aan de Kade“ essen und kriegen ohne Reservierung noch einen schönen Tisch direkt an der Hafenmauer.

Leckere Tapas-artige Kleinigkeiten. Sonnenuntergang auf dem Achterdeck. Man sieht, dass wir mit unserem Motorboot hier einer Minderheit angehören.

Montag, 19. Juli 2021
Morgens fahren wir mit der Fiets zum nächstgelegenen Nordseestrand. Ziemlich menschenleer, aber viele Hunde unterwegs. Nachmittags zum Einkaufszentrum Struytse Hoeck, wo es einen Jumbo-Supermarkt mit Riesenauswahl gibt. Wir informieren uns regelmäßig über die Entwicklung der Befahrbarkeit der Maas. Im Moment ist die komplette Strecke von der belgischen Grenze bis zur Schleuse Lith für die Recreatievaart gesperrt. Deshalb planen wir schon mal unterschiedliche Szenarien. Zurzeit am wahrscheinlichsten: Unser Freund Rainer, der in Zoutelande ist, holt uns ab und setzt uns auf dem Rückweg in Goes ab, wo wir ein EuRopcar-Auto mieten, das wir in Maastricht zurückgeben können. Das Boot bleibt in Hellevoetsluis und wir holen es nach dem Hamburgurlaub (3.-8. August) ab. Ansonsten haben wir hier eine wirklich schöne Zeit, tolles Wetter, und wir können direkt vom Boot aus schwimmen, wann immer wir wollen. Jeden Abend vom Achterdeck aus ein prachtvoller Sonnenuntergang.

Dienstag, 20. Juli 2021
Wir machen uns einen faulen Vormittag und fahren erst nachmittags zum Strand, diesmal aber zum näher gelegenen Strand vor dem Abschlussdeich. Der Passantensteg ist inzwischen gut ausgebucht. Wir verlängern unseren Aufenthalt bis Freitag, vorher haben wir sowieso keine Chance, etwas zu unternehmen.

Mittwoch, 21. Juli 2021
Ich reserviere uns für abends einen Tisch im Restaurant „Aan de Kade“, wo es uns am Sonntag sehr gut gefallen hat. Auf der Karte im Web entdecke ich, dass die sogar einen Wein von Apostelhoeve/Maastricht haben und freue mich schon. Dann ruft uns am Nachmittag der Wirt an und teilt mit, dass der Koch sich verbrannt hat und im Krankenhaus liegt. Wir gehen dann abends auf gut Glück los und kriegen einen der letzten Tische im „De Buren“, zwar nicht auf der Terrasse, aber der Innenraum ist auch ganz schön. Sehr leckere argentinische Steaks mit Fritten, dazu ein Dubbel (Jutta) und ein IPA (ich).

Donnerstag, 22. Juli 2021
Wir fahren früh mit den Rädern 12 Kilometer nach Brielle. Das ist der Ort an der anderen Seite der Halbinsel Vorne-Putten, der ursprünglich das Ziel unserer Reise sein sollte, bis wir dann doch auf Hellevoetsluis umgeswitcht haben. Brielle ist ein malerisches Festungsstädtchen mit dem obligatorischen sternförmigen Wassergraben-Umriss. Viele kleine Läden, Cafés und Restaurants, sehr schön anzusehen.

Tolle Siedlungen mit Wasseranschluss gibt es hier:

Nachmittags fassen wir einen Entschluss: Die Maas von Heel bis Lith ist immer noch gesperrt, aber der Julianakanal ist inzwischen freigegeben. Wir werden Samstag fahren, in Drimmelen und Heusden übernachten und dann bei Den Bosch in den Maximakanal abbiegen und mit einer Übernachtung in Aarle-Rixtel über die Zuidwillemsvaart nach Maasbracht fahren, von da aus durch den Julianakanal nach Maastricht. Wir hoffen, dass das ohne größere Probleme möglich sein wird. Ad und Suzanne, die Anfang der Woche bei uns gegenüber lagen, sind mit ihrer Segelyacht wieder zurück und wir verbringen einen sehr unterhaltsamen Abend auf unserem Achterdeck.

Freitag, 23. Juli 2021
Jutta fährt einkaufen zu Albert Heijn, ich update unseren Bericht und Ad und Suzanne fahren heimwärts nach Breda.

Nachmittags fahren wir mit den Rädern nach Rockanje, um noch einmal das richtige holländische Nordseestrand-Feeling zu spüren. Auf dem Rückweg verabschieden wir uns von den hübschen beige-braunen Deichschafen.

Abends beschließen wir die Woche in Hellevoetsluis mit leckeren argentinischen Steaks auf der tollen Terrasse mit Hafenblick im „De Buren“.

Samstag, 24. Juli 2021
Hellevoetsluis – Drimmelen

Eine außergewöhnliche Urlaubswoche geht zu Ende, aus vier geplanten Tagen in Hellevoetsluis sind sieben geworden. Schlimme Ereignisse zu Hause, katastrophale Verwüstungen in unserem liebsten Weinbaugebiet an der Ahr, unser zerstörtes Auto in der Marina Maastricht, Sperrungen für die Schifffahrt auf dem Nachhauseweg, und bei alledem hier in Hellevoetsluis herrlichstes Wetter. Nun wird es also nach Hause gehen, am ersten Tag bis Drimmelen. Das Wetter ist bedeckt, 17 Grad, und zum Glück nur 4-5 Beaufort, so dass die Fahrt über den Haringvliet unproblematisch ist. Um 8:30 legen wir ab und sind nach zwei Stunden an der Haringvlietbrücke.

Hier müssen wir jetzt den Hauptfahrweg Rotterdam-Antwerpen kreuzen, auf der Riesenwasserfläche „Holländisch Diep“, wo vor der Volker-Schleuse immer viel Schiffsverkehr ist, wie man auf unserem AIS erkennen kann:

Bei einem Tankschiff machen wir eine interessante Beobachtung. Kurz vor der Brückendurchfahrt verlässt der Steuermann sein Steuerhaus, eilt über die Treppe nach unten, läuft zum Heck und pinkelt über die Reling. Flott zurück und wieder ans Ruder. Gut, wenn man einen Autopiloten hat!

Die Maas, die hier Amer heißt, hat etwas Strömung, wir fahren mit knapp 9 km/h. Um 14 Uhr sind wir in Drimmelen. Diesmal sollen wir an der Kade im hinteren Hafen anlegen.

Pünktlich nach dem Anlegen fängt es heftig an zu regnen. In Drimmelen ist es Pflichtprogramm, den wunderbaren Kibbeling der „Vistaria Rijck“ zu essen, diesmal zum ersten Mal im strömenden Regen (der Fisch steht trocken!). Trotz des Gesichtsausdrucks wieder ausgezeichnet.

Abends sehen wir uns einen Film über den verstorbenen Biolek an und dabei fällt mir auf, dass ich das Gefühl habe, dass das Boot leicht schief liegt. Tatsächlich ist Drimmelen noch ein bisschen Gezeitengebiet und die hintere Kade ist ja fest und hat keine Schwimmstege. Daher hatte sich das Boot ein paar Zentimeter angehoben und wurde nun auf der Landseite von den straffen Leinen unten gehalten. Könnte man eigentlich im Hafenbüro drauf hinweisen, man ist ja ansonsten nur noch Schwimmstege gewohnt.

Hellevoetsluis – Drimmelen: 54 km
Fahrzeit: 6:00 h
Schleusen: 0
Betriebsstunden: 6:00 h / 204,0
Hafenkosten: 22,49 €

Sonntag, 25. Juli 2021
Drimmelen – Heusden

Ein sonniger, warmer Tag. Jutta geht im kleinen Spar-Markt am Hafen einkaufen, kleines Sonntagsfrühstück mit Sonntagszeitung, um 9:50 legen wir ab. Am Anfang arbeitet die Flut noch ein bisschen gegen die Strömung, wir fahren 10,5 km/h, später geht das auf 9,3 km/h zurück.

Um 12:30 sind wir in Heusden und erwischen mit viel Glück den vorletzten Platz an unserem Lieblingssteg, der seit letztem Jahr komplett erneuert worden ist.

Der Tag entwickelt sich prächtig, die Sonne scheint und wir können am Boot schwimmen. Man sieht am Ufer, dass das Wasser auch hier bis zu 2,50 Meter hoch war. Die Hochwassersperre zum kleinen Stadthafen ist immer noch geschlossen, und so sehen wir den Hafen zum ersten Mal ganz leer.

Für den Abend haben wir einen Tisch im Restaurant „De verdwaalde Kogel“ reserviert und genießen ein sehr schönes Dreigänge-Menü mit einem Chardonnay von Latour auf der sommerlich warmen Terrasse.

Wie immer in Heusden ein malerischer Sonnenuntergang. Für morgen haben wir uns mit unseren Freunden Max und Rike hier im Hafen verabredet, die gestern mit ihrem Boot in Maastricht über die Zuidwillems-Vaart gestartet sind.

Drimmelen – Heusden: 24 km
Fahrzeit: 2:40 h
Schleusen: 0
Betriebsstunden: 2:40 h / 206,7
Hafenkosten: 43,40 € (2 Nächte)

Montag, 26. Juli 2021
Heusden

Da wir uns heute Abend mit Max und Rike treffen wollen, haben wir heute noch einen freien Tag ohne Fahrt. Als wir mittags einen Spaziergang in die Stadt machen wollen, ist der Zugang über die Brücke gesperrt. Ein riesiger Kranwagen ist aufgebaut, um die Flutsperre zum Stadthafen wieder abzubauen, Dazu wird für jedes Brett zunächst ein Mann in einem Käfig abgelassen, um die Kette zu befestigen. Nachdem der wieder an Land ist, wird die Kette mit einem Haken aufgenommen und das Brett aus der Sperre gezogen. Bei den letzten Brettern unter Wasser muss dann ein Taucher die Kette befestigen.

Um 19 Uhr treffen Max und Rike ein, die gestern auf der Zuidwillems-Vaart wegen der sonntäglichen Schließung um 17 Uhr vor der Schleuse 11 hängen geblieben waren. Damit hatten sie dann heute bis Heusden 65 Kilometer und 9 Schleusen zu bewältigen, ein echter Kraftakt, auch für ihren Hund „Pina“.

Dann wird es aber doch ein sehr vergnüglicher Abend, der erst nach Mitternacht endet.

Dienstag, 27. Juli 2021
Heusden – Aarle – Rixtel

Wir haben uns jetzt endgültig entschlossen, den Rückweg über die Zuidwillems-Vaart und den Julianakanal anzutreten. Die Maas ist zwar wieder komplett auch für die Recreatievaart freigegeben, hat aber immer noch viel Strömung und führt auch noch Treibgut. Wir verabschieden uns von Max und Rike und starten um 8:30. Die ersten 14 Kilometer fahren wir auf der Maas gegen ca 3-4 km/h Strömung, dann geht es nach steuerbord in den Maximakanal und gleich in die erste Schleuse Empel.

Vor uns warten zwei kleinere Boote auf die Schleusung, wir legen uns dahinter und kurz darauf können wir schon einfahren. Bis Veghel fahren wir im Konvoi, überholen hätte keinen Sinn, weil wir an den nächsten beiden Schleusen sowieso wieder auf sie warten müssten. Dann biegen sie ab zum Passantenhafen Veghel. Wir haben noch drei weitere Schleusen und zwei Hebebrücken vor uns, die wir aber alle ohne große Wartezeiten passieren können. Manchmal sieht der Kanal ein bisschen eng aus, wenn uns ein größeres Frachtschiff entgegenkommt.

Um 16 Uhr erreichen wir nach 7,5 Stunden unser Tagesziel Aarle-Rixtel. Hier hat die Gemeinde in einem toten Arm der Zuidwillems-Vaart einen kostenlosen Passantenhafen eingerichtet, der sehr gut besucht ist.

Offensichtlich meiden viele Bootsfahrer aus der Roermonder Gegend noch die Maas und fahren über die Zuidwillems-Vaart. Es sieht zunächst so aus, als ob am Ufer gerade der letzte freie Platz weggegangen wäre, aber dann sehen wir doch noch eine Lücke, die gerade groß genug für uns ist. Später sehen wir aber, dass weiter hinten vor dem Ende des Kanals noch eine Reihe von Boxen frei sind, was man aber von vorne nicht sehen kann. In der nächsten Zeit weist Jutta noch drei Passanten, die schon umdrehen wollen, darauf hin.

Heusden – Aarle-Rixtel: 50 km
Fahrzeit: 7:40 h
Schleusen: 6
Betriebsstunden: 6:36 h / 213,3
Hafenkosten: –

Mittwoch, 27. Juli 2021
Aarle-Rixtel – Maasbracht

Wir stehen um sieben Uhr auf, frühstücken in aller Ruhe und legen um 8:00 Uhr ab. Heute stehen 47 Kilometer und sechs Schleusen auf dem Programm. Um 8:45 sind wir an der ersten Schleuse, der Schleuse Helmont. Ich melde mich über Funk an, die Schleusenwärterin öffnet das Tor und wir können einfahren. Dann höre ich über Funk, wie sich ein zweites Boot anmeldet, noch ein paar hundert Meter entfernt, und es wird natürlich gewartet. Sie legen hinter uns an, ein Paar aus einem der Roermonder Häfen, und sie werden heute während der ganzen Fahrt hinter uns bleiben. Alle Schleusen heute werden von der gleichen Zentrale gesteuert und das hat eine sehr angenehme Auswirkung: Sobald wir uns einer der nächsten vier Schleusen nähern, springt die Ampel auf rotgrün und das Tor öffnet sich.

Sobald beide Boote drinnen sind, schließt sich das Tor und die Schleusung beginnt. Bei zwei der Schleusen sind wir tatsächlich fünf Minuten nach der Annäherung schon wieder draußen. Toll, so perfekt haben wir das noch nie erlebt. Die Zuidwillems-Vaart ist streckenweise sehr schön, fast wie die Kanäle im Burgund mit alten Bäumen an beiden Ufern, aber leider wird sie fast komplett begleitet von einer sehr verkehrsreichen und entsprechend lauten Straße direkt neben dem Ufer.

Zum Schluss müssen wir noch durch die Schleuse Panheel, und die ist ziemlich unangenehm. Acht Meter geht es runter, und ein Poller ist nur oben, so dass man eine 20-Meter-Leine braucht, die dann zum Schluss in einem blöden Winkel von oben herunterhängt. Zwischen diesen großen Pollern sind kleine zum Umstecken, aber sehr klein und nur zum Einfädeln. Und nachdem alles heute so gut gelaufen ist, wartet dann zum Schluss noch ein bisschen Stress: Als wir uns dem Passantenhafen Maasbracht nähern, frischt der Wind auf 5 Beaufort auf, also recht kräftige Böen. Beim ersten Versuch, mit Seitenwind in eine Box zu fahren, kommt das Heck gefährlich nah an den Steg, Jutta geht von Bord, ich gebe Vollgas zurück und bin nun allein an Bord. Im engen Hafen macht mir der Wind zwischen den Boote schwer zu schaffen, aber im zweiten Versuch klappt es dann doch, ein freundlicher Bootskollege hilft, die Leinen anzunehmen.

Aarle-Rixtel – Maasbracht: 48,5 km
Fahrzeit: 6:00 h
Schleusen: 6
Betriebsstunden: 5:00 h / 218,3
Hafenkosten: 25,00 €

Donnerstag, 29. Juli 2021
Maasbracht – Maastricht

7:30 Frühstück, 8:30 legen wir bei wieder starkem Wind ab. Wie immer auf der Rückfahrt fahren wir zunächst gegenüber zu Tullemans zum jährlichen Dieseltanken. 432 Liter zu 1,30 €, macht 562 €. Gut, dass unser 720-Liter-Tank fürs ganze Jahr reicht und man sich während der Fahrten nicht um Nachschub kümmern muss. Nach dem Ablegen bei Tullemans melde ich uns bei der Schleusenaufsicht an und kann direkt hinter einem Berufsschiff in die Steuerbordschleuse einfahren. Die letzten zwei Schwimmpoller passen gut für unsere Bootslänge, und so sind wir in 20 Minuten entspannt 12 Meter höher. Als wir uns bei Km 21 der Schleuse Born nähern, höre ich schon, wie sich eine Yacht anmeldet und mitteilt, sie liege vor der alten Kammer und möchte gern nach oben. Die alte Kammer ist die Schreckensvision aller Bootsfahrer, und zu unserem Schrecken schickt uns der Schleusenmeister ebenfalls in die „Stuurbordsluis“. Born hat zwei moderne riesige Schleusen, aber die alte ist einfach nur grauenhaft. Es beginnt damit, dass die Schwimmpoller so weit auseinander liegen , dass wir bei unserer Bootslänge nur an einem festmachen können. Dann strömt das Wasser mit einer solchen Wucht hinein, dass man das Boot kaum halten kann. Freundliche Schleusenmeister weisen Ortsunkundige darauf hin, möglichst weit hinten festzumachen, wir wissen das schon. Und so hält Jutta vorne die Leine, während ich mit dem Motor mit kräftigen Gasschüben und Steuerbordruder versuche, das Heck an der Wand zu halten. Der Schaum auf den Bildern ist kein Waschmittel, sondern kommt nur vom einströmenden Wasser!

Das war nach der Schleuse Panheel und dem Wind-Anlegen gestern die dritte und letzte Prüfung in diesem Urlaub. Auf dem Julianakanal bummelt die „Daily“, ein 110-Meter-Frachtschiff, gemächlich mit 7 km/h vor uns. Ich funke sie an und frage, ob ich überholen kann. „Du kannst vorbeikommen“ ist die Antwort. Es ist ein bisschen eng, weil das Schiff 12 Meter breit ist. Beim Überholen sinkt meine Geschwindigkeit trotz erhöhter Drehzahl auf ca 8 km/h, entsprechend lange dauert es, bis ich vorbei bin. Direkt danach komme ich wieder auf 11 km/h.

Dann dauert es nicht mehr lange und wir sind wieder vor der Servatiusbrücke im vertrauten Maastricht.

Unser Steg ist ziemlich ramponiert, aber wir können noch an unserem alten Platz anlegen.

Unser Auto sieht von außen noch unverändert aus, aber innen ist es kaum wieder zu erkennen.

Maasbracht – Maastricht: 40 km
Fahrzeit: 5:15 h
Schleusen: 2
Betriebsstunden: 4:42 h / 223,0
Hafenkosten: 25 €

Ein unvergesslicher Urlaub liegt hinter uns. Ganz unbeschwert sind wir vor vier Wochen gestartet, dann kamen die Hochwasser-Nachrichten, eine Zeit lang wussten wir nicht, wie und wann wir nach Hause fahren könnten, und schließlich sind wir dann doch ohne Probleme wieder im Heimathafen gelandet. Während es zu Hause Regen und Unwetter gab, hatten wir fast auf der ganzen Fahrt wunderbares Wetter, nicht zu heiß und nicht zu kalt und konnten uns richtig erholen.

Ein bisschen Statistik

523 Kilometer sind wir in diesem Urlaub gefahren.
26 Tage waren wir unterwegs.
24 Schleusen haben wir passiert.
6,6 Liter Diesel haben wir pro Stunde verbraucht.
557 € haben wir an Hafengebühren bezahlt