Sommer 2019: Hellevoetsluis

Sonntag, 21. Juli 2019

Heute soll der Start in den Urlaub sein. Wir sind früh wach und beschließen, Brötchen in der Bäckerei zu holen und dann auf dem Boot zu frühstücken. Um viertel vor neun sind wir im Hafen, es ist 16 Grad und bedeckt. Kleines Frühstück auf dem Achterdeck, Stopfbuchse schmieren, Ölstand in Motor und Getriebe prüfen, und um 9:40 geht es los. Vorbei an unserem geliebten Maastricht und durch die wie immer offen stehende Limmel-Schleuse in den Juliana-Kanal.

Wenig Verkehr heute am Sonntag, unterwegs überholt uns die „Return“, ein 110-Meter-Tankschiff, hinter dem wir dann mit zwei anderen Yachten ohne Wartezeit um 12 Uhr in die Schleuse Born einfahren.

Um 12:30 sind wir wieder draußen und erreichen um 13:45 mit den beiden Yachten die Schleuse Maasbracht. Hier müssen wir Kurz auf einen 135-Meter-Tanker warten, der hinter uns fuhr, dann können wir einfahren.

Der Ostkolk von Maasbracht ist 225 Meter lang, und so passen wir alle bequem in die Schleuse, die wie Born dank Schwimmpollern stressfrei zu benutzen ist. Um 14:20 legen wir im Passantenhafen Maasbracht an. Dieser Hafen ist eine absolute Fehlkonstruktion: Die Boxen sind so schmal, dass nur zwei wirklich schmale Boote nebeneinander hineinpassen, und das führt dann dazu, dass in der Regel in jeder Box nur ein Boot liegt. Zum Glück ist aber am Längssteg noch ein Stück frei, das für uns Land genug ist.

Um 16 Uhr kriegen wir noch Besuch von Theo und Beate, unseren Bootsfreunden aus Ohé en Laak, mit denen wir eigentlich jetzt gemeinsam unterwegs sein wollten, was dann krankheitsbedingt leider ausfallen musste. Nächstes Jahr werden wir das nachholen. Im griechischen Restaurant El Greco direkt am Hafen essen wir dann noch ein leckeres Souvlaki.

Abfahrt: 9:40 Ankunft: 14:20 Strecke: 40 km Schleusen: 2
Betriebsstd: 4:03

Montag, 22. Juli 2019

Das Wetter ist sonnig und warm mit ein bisschen Wind, nach einem kleinen Frühstück legen wir ab. Wir fahren zuerst gegenüber vom Passantenhafen zu Tullemanns Oliehandel, wo wir immer tanken.

Tullemanns ist ursprünglich eine Tankstelle für die Berufsfahrt, beliefert seit einigen Jahren aber auch die Freizeitfahrt. Der Sprit ist dort sehr preiswert (heute 1,19 Euro/l) und hat keinen Bio-Anteil, so dass die Dieselpest keine Chance hat. Um 9:45 sind wir bei der Schleuse Heel, können sofort einfahren, werden alleine sofort geschleust und sind um 9:55 wieder draußen: Rekordzeit!

Unterwegs begegnen uns zwei Polizisten in Uniform auf zwei Polizei-Jetskis, die munter über die Maas rasen und sich einen schönen dienstlichen Spaß machen. Um 11:50 erreichen wir die Schleuse Belfeld, diesmal werden wir mit 11 Booten geschleust und sind um 12:30 durch. Bis Venlo ist es jetzt nicht mehr weit, wir wollen diesmal bei der Hitze nicht im Stadthafen anlegen, sondern drei Kilometer hinter der Stadt im Hafen des „WSV de Maas“. In diesem Hafen waren wir schon oft, er ist sehr angenehm, es gibt gute Duschen und man kann im Hafen schwimmen. Neben uns liegt ein englisches Paar, die mit ihrem Boot seit April in Frankreich unterwegs waren und jetzt Holland erkunden wollen. Nette Gespräche. Um 19 Uhr essen wir leckere Tapas im Hafenrestaurant „De Admiraal“, danach sehen wir noch ein bisschen zu, wie gegenüber im Industriehafen ein Containerschiff entladen wird. 

Abfahrt: 8:50 Ankunft: 13:30 Strecke: 37,5 km Schleusen: 1 Betriebsstd: 3:52

Dienstag, 23. Juli 2019

Es ist schon morgens unglaublich warm, deshalb gehen wir schon vor dem Frühstück um 8 Uhr schwimmen, danach kleines Frühstück, und weil wir wissen, dass es in Leukermeer immer ziemlich voll ist, legen wir schon um 8:30 Uhr ab.

Heute haben wir keine Schleusen, nach 2:15 Stunden sind wir da und erwischen den letzten freien Liegeplatz am Passantensteiger mit Blick auf den See.

Nachmittags wird es 36 Grad und wir gehen immer wieder schwimmen. Kleiner Einkauf im Campingplatz-Supermarkt, abends machen wir einen kleinen Salat und Krabbenspießchen. Leukermeer ist einerseits immer wieder schön, weil man vom Boot aus wunderbar schwimmen kann, andererseits ist es ein echter „Rummelplatz auf dem Wasser“. Kinder donnern mit motorisierten Schlauchbooten durch die Gegend, Bajas mit offenem Auspuff lärmen, Bananen mit 8 jugendlichen Passagieren werden mit lauter Technomusik gezogen und vom Strand des Campingplatzes gegenüber hört man die ständige Geräuschkulisse aus Musik und Geschrei.

Abends beglückt uns dann bis spät in die Nacht „Jack van Raamsdonk“, ein Alleinunterhalter mit grausam manierierten Gesangskünsten, und leider wird der Schall übers Wasser so gut übertragem dass man meinen könnte er sänge nebenan. Als wir um elf Uhr schlafen gehen, singt er immer noch, aber zum Glück schlafen wir trotzdem schnell ein. Als ich um 2:30 Uhr kurz aufwache, hat er immerhin aufgehört.

Abfahrt: 8:30 Ankunft: 10:45 Strecke: 26 km Schleusen: – Betriebsstd: 2:15

Mittwoch, 24. Juli 2019

Es ist schon wieder sehr früh sehr warm. Jutta holt die leckeren dunklen Brötchen aus dem Supermarkt, nach dem Frühstück schwimmen wir erstmal wieder und fahren dann mit den Rädern zum neuen „Waterboulevard“.

Der ist wirklich sehr schön geworden, es gibt eine ganze Reihe von neuen Anlegestegen. An denStegen mit Landzugang darf man allerdings offiziell nicht übernachten, inoffiziell scheint es aber doch praktiziert zu werden. Außerdem gibt es eine große Freitreppe zum Sitzen an der engsten Stelle zwischen Seurenheide und dem Leukermeer, sehr schön.

Wir genehmigen uns zwei „Frozen Capuccinos“ im Schleusencafé und Jutta geht auf dem Rückweg noch an der Freitreppe schwimmen. In der Achterkajüte ist es noch auszuhalten, ansonsten ist es draußen inzwischen 40 Grad, im Boot 37 Grad. Um 18 Uhr gehen wir im Hafenrestaurant essen, das nach der Pleite des letzten Betreibers jetzt „Lucas aan het water“ heißt. Jutta nimmt Carpaccio, ich einen Elsässer Flammkuchen, dazu ein großes Franziskaner-Weizen, lecker und preiswert. Um 20 Uhr haben wir Steve und Barbara aufs Boot eingeladen, die beiden Engländer, die wir gestern in Venlo kennengelernt haben. Die sind seit fünf Jahren jedes Jahr von April bis Oktober mit ihrem Boot in Frankreich unterwegs. Es wird ein sehr schöner Abend mit Wein und Bier und vielen tollen Gesprächen auf Englisch. Ab 21 Uhr gibt es im gegenüber liegenden Campingplatzrestaurant Bingo, das aber bei weitem nicht so störend ist wie das Geplärre gestern.

Donnerstag, 25. Juli 2019

Wegen der Hitze haben wir beschlossen, möglichst früh zu fahren, außerdem haben wir unseren ursprünglichen Plan, mit nur einem Zwischenhalt nach Woudrichem zu fahren geändert. Wir fahren jetzt heute nur bis Plasmolen und morgen dann bis Gouden Ham. Um 7:50 legen wir ab, gefrühstückt wird nacheinander an Bord während der Fahrt.

Um 9 Uhr sind wir schon an der Schleuse Sambeek, ich melde uns an und wir können mit einem anderen Boot zusammen gleich einfahren. Hinter uns kommt noch ein kleineres Berufsschiff, dann geht es 3,25 Meter abwärts und um 9:30 sind wir draußen. Mit knapp 12 km/h geht es maasabwärts und um 11:15 legen wir in Plasmolen im Jachthafen „Eldorado“, wo wir schon sehr oft waren, am Passantensteiger an.

Aus unserem Bestand zaubert Jutta wieder mal ein kleines Mittagessen, dann besteht der Rest des Nachmittags bei 40 Grad aus Chillen und Schwimmen. Unsere Freunde Max und Rike haben uns gestern geschrieben, dass sie im Gouden Ham sehr erstaunt waren, als direkt neben ihnen plötzlich unser altes Boot, die Ventura Nummer zwei, anlegte. Heute schreiben sie uns, dass sie noch einen Tag länger im Gouden Ham bleiben werden, also werden wir morgen die beiden und unser altes Boot wiedersehen. Um 18 Uhr gehen wir im Hafenrestaurant „De Boei“ essen.

Auf der Terrasse, von der man einen schönen Blick über den Hafen hat, lässt es sich im Schatten noch so eben aushalten. Danach machen wir noch einen kleinen Hafen-Spaziergang, denn in Plasmolen gibt es immer viele große und schöne Boote zu sehen.

Abfahrt: 7:50 Ankunft: 11:15 Strecke: 32,7 km Schleusen: 1 Betriebsstd: 3:06

Freitag, 26. Juli 2019

Wegen der Hitze schaffen wir es heute sogar, schon um sieben Uhr in Plasmolen abzulegen und dann während der Fahrt nacheinander zu frühstücken. Um 8:30 Uhr sind wir in Grave, einer Schleuse, bei der man immer etwas mehr Zeit einplanen muss. Ein ganzes Stück hinter uns fährt schon seit einiger Zeit ein Schiff, bei dem mein AIS als Länge 192 Meter anzeigt. Da die Schleuse Grave nur 142 Meter lang ist, erscheint mir das etwas rätselhaft und ich vermute schon, dass der Schiffer sich vielleicht ei der Längeneingabe vertippt hat. Wir legen am Wartesteiger an und beim Näherkommen zeigt sich dann, dass das Schiff ein Schubschiff mit zwei Leichtern von knapp 90 Metern ist, was dann zusammen tatsächlich 192 Meter ergibt.

Die Mannschaft entkoppelt die zwei Leichter, legt den hinteren an den Wartesteiger und fährt dann mit dem vorderen in die Schleuse. Dahinter können wir noch an Steuerbord anlegen. An Backbord hat ein Charterboot direkt hinter dem Tor angelegt, so dass eine dritte Yacht nicht mehr dahinter passt und bei uns im Päckchen festmacht. Es sind Niederländer, der Mann kommt aus Doesburg, wo wir vor einem Jahr unser Boot gekauft haben. So gibt es immer wieder nette kleine Unterhaltungen mit Bootskollegen. Nach der Ausfahrt muss das Schubschiff nun noch einmal nach oben schleusen, um den zweiten Leichter zu holen, kein Vergnügen bei diesen hochsommerlichen Temperaturen. Max und Rike haben uns genau beschrieben, wo sie im hinteren Teil des Gouden Ham liegen, und da sehen wir auch schon die Prima und unsere alte Ventura liegen und können um 11 Uhr direkt daneben anlegen.

Wir hatten bisher nur immer in einem der Yachthäfen von Gouden Ham angelegt, aber dieser Platz ist wirklich toll: Stabile Stege und direkt dabei eine Wiese mit schattenspendenden Bäumen. Man kann wunderbar schwimmen, ab jetzt werden wir nur noch hier festmachen. Die Hitze ist immer noch enorm, auch Max und Rike unternehmen allerhand, um ihr Boot zu kühlen.

Petra und Günther, die im September 2018 unser Boot gekauft haben, zeigen uns das Boot und wir sind erstaunt, was sie alles geschafft haben. Was mich besonders freut, ist, dass sie den Kauf überhaupt nicht bereuen und viel Freude an ihrem Boot haben. Wir zeigen ihnen dann auch noch unser Boot und natürlich bewundern sie es ausgiebig. Abends wollen wir eigentlich grillen, aber da dunkle Wolken einen kräftigen Regenschauer befürchten lassen, ziehen wir es dann doch vor, mit Max und Rike Würstchen und Kartoffelsalat auf unserem Achterdeck zu essen.

Nach dem Essen kommen Petra und Günther dazu und es wird ein langer und unterhaltsamer Abend.

Abfahrt: 7:00 Ankunft: 11:00 Strecke: 34 km Schleusen: 1 Betriebsstd: 3:29

Samstag, 27 Juli 2019

Es hat ein bisschen abgekühlt, wir gehen nach dem Frühstück noch mal schwimmen und fahren um 9:30 Uhr los und um 10:30 fahren wir mit einem halben Dutzend anderen Booten in die Schleuse Lith ein. Ich stelle in der Schleuse wie immer den Motor ab. Gegen Ende der Schleusung wird unser Boot von der Strömung ein wenig nach hinten gedrückt und um nicht gegen das kurz hinter uns liegende Boot gedrückt zu werden, will ich den Motor starten und ein Stück vorwärts fahren. Ich drehe den Zündschlüssel, aber nichts passiert. Das ganze Armaturenbrett ist stromlos. Mein Alptraum, das schlimmste, was einem in einer Schleuse passieren kann. Wir sagen Max Bescheid, er kommt mit der Prima längsseits, wir verbinden die beiden Boote und er schleppt uns aus der Schleuse zum Wartesteiger für die Bergfahrt.

Da die Prima viel kleiner ist, ist es gar nicht so einfach, von der Schleusenwand wegzukommen und ich muss kräftig mit dem Bugstrahlruder mithelfen. Mir läuft der Schweiß in Strömen runter. Wir überprüfen das Zündschloss, da kommt kein Strom an.

Im Motorraum verfolgen wir das dicke Multikabel vom Armaturenbrett weiter und Max entdeckt an einem kleinen Kästchen mit der Startelektrik einen roten Knopf, der zu einem kleinen Sicherungsautomaten im Kästchen gehört. Er drückt den Knopf ein und der Strom ist wieder da. Wenn der Zündschlüssel aber in Vorglühstellung ist, springt die Sicherung nach 2-3 Sekunden wieder raus. Wir vermuten also, dass entweder eine Glühkerze oder die Sicherung einen Defekt hat. Bei den momentanen Temperaturen springt der Motor aber problemlos ohne Vorglühen an und so lautet unser „Workaround“: Vorglühstellung überspringen und sofort den Anlasser betätigen. Das funktioniert dann auch.

Um 12:35 biegen wir nach steuerbord in den St. Andries-Kanal ein und werden von 12:40 bis 13:00 Uhr in der St.-Andries-Schleuse abwärts geschleust. Vorsichtshalber lasse ich in der Schleuse den Motor laufen. Um 13:05 biegen wir auf die Waal ein und kreuzen zum rechten Ufer rüber. Wir fahren im Freizeitschifffahrtbereich zwischen den roten und den rotweißgestreiften Tonnen. Da wo es keine gestreiften Tonnen gibt, fahren wir kurz neben den roten Tonnen, für uns ist es da immer noch tief genug.

Anfangs haben wir durch die Strömung 16 km/h, später geht Max mit dem Tempo zurück, weil seine Prima in recht hohen Wellen ziemlich harte Schläge auf den flachen Bug abkriegt. Auch wir schaukeln ganz schön. Um 15:15 kreuzen wir wieder ans linke Ufer und biegen in den historischen Hafen von Woudrichem ein.

Im Schritttempo geht es an den alten Segelschiffen vorbei, am Ende des Hafens liegt der Passantensteiger, den wir vom vorigen Jahr schon kennen und an dem man rückwärts einparken muss. Zum Glück kriegen wir noch einen Platz ganz vorne.

Max und Rike dürfen vorwärts durchfahren bis zun Ende des Steigers und dort wird mit Hilfe von zwei Bootskollegen die Prima gedreht (das Bugstrahlruder funktkioniert im Moment nicht). Max und Rike haben ein mysteriöses Problem auf der Prima: Sie haben unterwegs vollgetankt und jetzt nach wenigen Stunden Fahrzeit ist der Tank am Schauglas fast leer. Diebstahl?? Um 19 Uhr laden wir Max und Rike zum Dank für die tolle Hilfe im Restaurant „Bal-dadig“ zum Essen ein. Die haben ein ganz nettes Konzept: Es gibt verschiedenste Gehaktballen, dazu kann man sich die Beilagen selbst zusammenstellen, sehr lecker. Zum Glück sitzen wir drinnen, während des Essens fällt ein kräftiger Schauer, aber der Heimweg ist schon wieder trocken. Mit einem Glas Sekt auf die gesicherte Weiterfahrt endet der Tag.

Abfahrt: 9:30 Ankunft: 15:15 Strecke: 47 km Schleusen: 2 Betriebsstd: 4:15

Sonntag, 28. Juli 2019

Endlich hat es etwas abgekühlt, 22 Grad ist es heute Morgen und bedeckt. Wir verabschieden uns von Max und Rike und kreuzen wieder die Waal, die ab hier allerdings Merwede heißt, zum rechten Ufer. Die Fahrt geht an Gorinchem vorbei, was Deutsche gern wie „Gorinchem“ aussprechen, in Niederländisch wird es allerdings „Chorküm“ ausgesprochen. Dann gabelt sich der Fluss in Boven- und Beneden-Merwede, wir biegen wir nach steuerbord ab in die Beneden-Merwede.

Vorbei an zahlreichen Werften, auch sonntags ist hier noch reichlich Berufsverkehr mit Containerschiffen und Schubverbänden. Das seltsame Schiff hier ist ein Autotransporter, allerdings leer.

Gegen 13 Uhr kommen wir an die verkehrsreichste Schifffahrtskreuzung Europas, wo Merwede, Noord und Oude Maas zusammenkommen. Hier besteht Kommunikationspflicht mit der Sektorkontrolle Dordrecht, ich teile kurz meine Absicht mit und kann sofort nach backbord in die Oude Maas abbiegen. Um 13:20 sind wir an der Engelenburger Brücke, die zur vollen und halben Stunde geöffnet wird und legen am Wartesteiger an und ich traue mich, den Motor auszumachen.

Punkt 13:30 öffnet sich die Brücke, der Motor springt auf Anhieb an und wir können in den Hafen einfahren. Der Hafenmeister weist uns Platz 85 zu, öffnet die Eisenbrücke in der Mitte des Hafens und wir legen problemlos in der recht schmalen Box an.

Nach der Mittagspause machen wir einen kleinen Spaziergang durch Dordrecht. Hier waren wir schon vor drei Jahren, als wir etwa die gleiche Tour bis Hellevoetsluis unternommen haben. Damals fand hier gerade das große „Big Rivers“ Festival statt, mit Musik auf zahlreichen Bühnen überall in der Stadt. Diesmal ist es hier eher beschaulich. Beim Stadtbummel fällt uns ein nettes Thai-Restaurant ins Auge, das ich auch schon auf Tripadvisor entdeckt hatte, und wir reservieren einen Tisch fürs Abendessen. Im „Nakorn“ gibt es authentische Thaiküche, und wir haben einen schönen Platz direkt am Fenster über der Gracht. Neben uns ein holländisches Paar aus Culemborg, die mit ihrem Segelboot gerade aus Hellevoetsluis gekommen sind und mit denen wir uns angeregt unterhalten.

Abfahrt: 11:00 Ankunft: 13:40 Strecke: 25,3 km Schleusen: – Betriebsstd: 2:36

Montag, 29. Juli 2019

Um 8 Uhr fährt Jutta mit dem Fahrrad Brötchen holen in der tollen Bäckerei „Nobels“ in der Nähe des Hafens, die wir schon beim letzten Aufenthalt entdeckt hatte.

Juttas Fahrrad mit Stockrosen.

Nach dem Frühstück wollen wir ein bisschen mehr von der Stadt sehen. Dazu lade ich mir die App „izi.TRAVEL“ aufs iPhone und wähle in der App die Anwendung „Rondje Dordt“. Die ist sehr schön gemacht und bietet einen Rundgang von 3,6 km durch die historische Altstadt. Man hält das Phone einfach in der Hand und jedesmal, wenn man eine der Sehenswürdigkeiten erreicht hat, summt das Gerät und man hört eine Beschreibung (auf Niederländisch, aber das ist für uns kein Problem mehr). Dordrecht ist wirklich eine tolle Stadt. Früher die bedeutendste und reichste Handelsstadt der Niederlande, verlor es später diesen Status an Amsterdam und Rotterdam, aber bei einem Gang durch die Stadt sieht man den prächtigen Häusern immer noch den alten Reichtum an

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Nach Mittagessen an Bord und Mittagsruhe fährt Jutta mit dem Fahrrad durch die Stadt und geht in zahlreiche kleine Läden, ich aktualisiere unser Tagebuch. Abends wollen wir eigentlich im „Otto e Mezzo“ eine Pizza essen, aber das hat wie viele Läden und Lokale hier montags geschlossen. Wir haben auf dem Stadtrundgang morgens ein nettes Lokal gesehen „De Stroper“.

Wir versuchen es dort und kriegen tatsächlich einen der letzten zwei oder drei freien Tische. Die Kalbsbäckchen sind extrem zart mit sehr aromatischer Sauce und der Hauswein Domaine Montrose scheckt gut dazu. Danach noch zwei Partien Rummycub und ein Gläschen Rotwein.

Dienstag, 30. Juli 2019

Heute ist es wieder sonnig und angenehm warm. Wir beschließen, nach dem Frühstück mal nachzuholen, was wir bei unserem letzten Aufenthalt versäumt haben, nämlich die „Grote Kerk“ mit ihrem eindrucksvollen Turm zu besichtigen.

Die Kirche trägt ihren Namen zu Recht, ich staune immer wieder, wie die Menschen vor hunderten von Jahren ohne Maschinen, Kräne und ähnliches derart monumentale Bauwerke erschaffen haben.

Der Turm sollte ursprünglich 108 Meter hoch werden, nachdem er sich aber während der Bauzeit aufgrund des weichen Untergrunds schon zur Seite neigte, hat man auf die Spitze verzichtet und es bei 72 Metern belassen. An der höchsten Stelle ist er nun 2,25m aus dem Lot, angeblich ist er aber inzwischen stabilisiert. Wir verlassen uns darauf und machen uns an den Aufstieg. 275 Stufen einer engen Wendeltreppe sind zu bewältigen, aber die phänomenale Aussicht entschädigt für den mühevollen Aufstieg.

Unser Hafen rechts im Bild aus der Vogelperspektive.

Nach kleinem Mittagessen und Pause an Bord besucht Jutta das Dordrechter Museum mit interessanten Ausstellungen („Kees Verwey en zijn idolen“ und „Vissen naar verborgen betekenissen“).

Vier Boote weiter liegt neben uns ein Kotter aus derselben Dordrechter Werft „De Combinatie“ wie unser Boot, Baunummer 353 aus 2005, wir haben 343 aus 2003. Der Besitzer, ein sehr netter pensionierter Niederländer besucht uns mit seiner Tochter Barbara und Enkel Raul, sieht sich unser Boot an und hat einiges über die Werft zu erzählen. Um 19 Uhr holen wir das gestern verpasste Abendessen in der Pizzeria „Otto e Mezzo“ nach. Es gibt keine Reservierungen, man reiht sich mit einem Getränk in eine Warteschlange auf zwei Sofas ein und wird aufgerufen, sobald ein Tisch frei ist.

Der Andrang ist nicht verwunderlich, die Pizzen kosten alle nur 8,50 Euro (Otto e Mezzo ist nicht nur ein Filmklassiker von Fellini, sondern heißt auch 8,5) und sind einfach perfekt.

Mittwoch, 31. Juli 2019

Um halb acht holt Jutta wieder die wunderbaren Brötchen von Nobels, um 8:50 legen wir ab, um 8:55 öffnet der Hafenmeister die Eisenbrücke in der Mitte des Hafens und um Punkt 9 Uhr können wir hinter zwei anderen Booten durch die geöffnete Engelenburger Brücke auf die Oude Maas fahren. Es ist ziemlich windig. Zwei Boote fahren vor uns melden über Funk zwei Yachten bei der Sektorkontrolle an, die antwortet: OK, das eine Boot ist sicher die Ventura, das andere hat keinen Namen. Das ist gut, denn so sehe ich erstens, dass unser AIS-Sender funktioniert und zweitens, dass die Verkehrsposten auch die Class B-AIS auf dem Schirm haben. Wir fahren die Oude Maas abwärts und der Wind ist inzwischen ziemlich kräftig.

Hier sind auch Seeschiffe unterwegs.
Ein schnell entgegenkommender kleiner Schlepper macht die bisher auf der Reise höchsten Wellen und schaukelt uns gewaltig durch, aber wir stellen fest, dass alles an Bord gut gesichert und verstaut ist. Auf der Oude Maas fahren wir dank Gezeitenstrom bei unserer Standarddrehzahl 14-15 km/h, nachdem wir um 10:25 in die Spui abgebogen sind, geht das gegen die Strömung auf ca 8 km/h zurück. Unser Windmesser zeigt inzwischen 6 Beaufort an und es regnet auch leicht. Wir sehen der Fahrt auf dem Haringvliet mit leichten Bedenken entgegen, aber bis dahin gibt es keinen passenden Hafen mehr und zurück wollen wir auch nicht. In der Spui geht es noch relativ ruhig zu, aber als wir in den Haringvliet einbiegen, wird es doch recht heftig. Der Windmesser zeigt 6-7 Beaufort an, bis 6 Beaufort ist unser Boot mit CE-Kategorie C zertifiziert. Der Bug taucht bis zur Reling ein, Gischt spritzt an die Fenster, aber zum Glück wird keiner von uns seekrank.

Segler sind bei diesem Wind heute fast keine unterwegs.

Nach einer knappen Stunde permanenten Wellenreitens nähern wir uns endlich dem Leuchtturm von Heelevoetsluis und nach dem Umrunden der Landspitze biegen wir in useren Hafen „Marina Cape Helius“ ein. Am langen Passantensteiger ist ein Platz frei, zwei hilfsbereite Nachbarn kommen und mit vereinten Kräften gelingt das Anlegen.

Man sollte tatsächlich vor der Fahrt auf große Gewässer mal einen Blick in die „Windfinder“-App werfen, wo heute für den ganzen Tag 6 Beaufort angezeigt werden. Das Anlegebier ist heute jedenfalls redlich verdient. Am Nachmittag fahren wir mit den Fahrrädern in die Stadt, sehen uns in dem kleinen Watersportwinkel um, den wir noch vom letzten Mal kennen und essen dann im Restaurant Aquarius mit toller Aussicht auf den Haringvliet sehr leckeren Kibbeling mit Fritten.

Abfahrt: 8:50 Ankunft: 13:15 Strecke: 44,4 km Schleusen: – Betriebsstd: 4:20

Donnerstag, 1.August 2019

Die Marina „Cape Helius“ in Hellevoetsluis, die wir schon 2016 kennengelernt haben, ist einfach ein sehr angenehmer Hafen. Jeder von uns bekommt ein Chipkärtchen. mit dem man die Hafentüren sowie Duschen und Toiletten öffnen kann, die Sanitäranlagen sind sehr gepflegt und der ganze Hafen ist schön weiträumig. Selbst die Haubentaucher fühlen sich hier an den seltsamsten Plätzen wohl.

Nach dem Frühstück lassen wir erstmal eine Maschine Wäsche waschen und trocknen (auch mit Chipkarte), dann gibt’s ein kleines Mittagessen mit dem Kibbeling, den wir gestern im Restaurant nicht mehr geschafft haben. Es ist 22 Grad, sonnig und der Wind ist auf 3 Beaufort zurückgegangen. Mittags machen wir eine kleine Radtour an die Nordsee, 6 Kilometer und sehr angenehm zu fahren. Der Strand ist menschenleer, wie mir in diesem Jahr übehaupt die ganze Gegend recht schwach besucht scheint. Auf dem Rückweg noch eine kleine Erfrischung im Shamrock Inn am Haringvliet. Um 19 Uhr fahren wir zur Taverne Limani am Gemeindehafen, wo es nicht ganz billige, aber sehr große und schmackhafte Portionen griechisches Essen gibt.

Freitag, 2. August 2019

Nach dem Frühstück fahren wir mit der Fiets zum Einkaufszentrum „De Struyse Hoeck“. Der Jumbo-Markt dort hat ein grandioses Angebot und wir decken uns mit dem Nötigsten ein. Heute gibt es als Mittagessen ein bisschen Souzoukakia und Souwlaki, die wir gestern beim Griechen nicht geschafft haben, dazu Juttas leckeren griechischen Salat. Nachmittags besichtigen wir das Rammschiff „Buffel“, das im Hafen von Hellevoetsluis liegt.

Das ist 1868 in Schottland für die holländische Marine gebaut worden, mit drehbarem Kanonenturm und verstärktem Bug zum Rammen von Feindschiffen.

Unglaublich, wir luxuriös die Offiziersräume im Vergleich zu den Mannschaftsräumen waren. Ein sehr sympathisches älteres Mitglied des Betreibervereins gibt uns auf Niederländisch eine Menge interessanter Informationen. Auf dem Rückweg im alten Gasthaus „De Wag“ Kakao mit Sahne und Appeltaart, das können die Holländer einfach. Am frühen Abend noch ein Spaziergang am kleinen Strand vorbei zum Leuchtturm.

Auch Leute mit Geld machen hier Urlaub!

Samstag, 3. August 2019

Nach dem Frühstück schwingen wir uns auf die Fahrräder, nachdem ich Juttas Reifen aufgepumpt und ihre Gangschaltung wieder gängig gemacht habe.

Wir fahren über den Abschlussdeich bis zur Goereesesluis, die den Haringvliet mit der Norsee verbindet. Zwei Segelboote liegen in der Schleuse und warten auf die Öffnung der Brücke. Eine vierspurige Straße führt über die eiserne Klappbrücke, und darunter ist es höllisch laut. um 11 Uhr öffnen sich gleichzeitig das Schleusentor und die Brücke.

Immer wieder toll, wie die Holländer auch für nur zwei kleine Boote lange Autostaus in Kauf nehmen. Ein paar hundert Meter weiter besichtigen wir die Seehunde-Auffangstation „A Seal“ in der verwundete kleine Seehunde aufgepäppelt und später wieder ausgesetzt werden. Jutta ist ganz hingerissen von den süßen Tieren.

Der Abschlussdeich hatte dazu geführt, dass der Haringvliet zu einem Süßwassersee ohne Gezeiten wurde. Damit waren zahlreiche ökologisch unerwünschte Folgen verbunden, deshalb hat man seit dem vorigen Jahr ein Element des Absperrdeichs dauerhaft einen Meter hoch göffnet, so dass permanent etwas Salzwasser einströmen kann.

Einmal im Urlaub wollen wir an einem „richtigen Nordseestrand“ schwimmen gehen, deshalb fahren wir anschließend noch zum Strand von Rockanje.

Einmal schwimmen, dann noch Frikandel met Friet im Strandcafé „Badlust“ und zurück zum Boot. Mittagspause, Kaffee, Duschen, Early Evening Beer, dann geht es mit dem Fahrrad zum Vestingpop, einem Musikfestival, das heute von 12 bis 24 Uhr am Meer stattfindet. Die Sonne ist herausgekommen, die Stimmung auf dem Fest ist toll. Der Eintritt ist kostenlos, wir genehmigen uns zwei Amstel und eine Fritte und lauschen der kroatischcen Girls Band „Luminize“.

Später sitzen wir noch auf dem Achterdeck und zwei Stege weiter lärmt und singt eine holländische Geburtstagsgesellschaft oder ähnliches. Um 21 Uhr ist dann aber zum Glück Ruhe.

Sonntag, 4. August 2019

Es ist sonnig, warm und zum Glück nur 2 Beaufort Wind. um kurz nach 9 legen wir ab und fahren über einen schön ruhigen Haringvliet.

Unter der A29 fahren wir durch die Haringvlietbrug auf Hollands Diep und hinter der Zufahrt zur Volkerak-Schleuse direkt rechts in den Jachthaven „De Batterij“ Willemstad. Jutta telefoniert mit dem Hafenmeister, der schickt uns auf H8, das ist aber ein Liegeplatz ohne Seitensteg, deshalb für uns mangels Heckausstieg nicht brauchbar. Hier liegt zwischen zwei Plätzen mit Seitensteg immer noch ein dritter ohne Steg. Wir legen uns auf den freien Platz H8, aber Jutta erfährt im Havenkantoor, dass der Inhaber heute zurückkommt und wir müssen umziehen auf H11. Die Boxen sind recht schmal, aber das Umlegen klappt trotzdem gut.

Nachmittags wollen wir uns das Städtchen mal ansehen und stellen fest, dass hier am Hafen heute ein großer „Ibiza-Market“ stattfindet, auf dem man alles für den Hippie kaufen kann. Ein sehr netter Alt-Hippie mit tollem VW-Bus bietet uns an, ein Foto von uns vor seinem Bus zu machen und staffiert uns dafür komplett aus.

Willemstad ist ein perfekt erhaltenes Festungsstädtchen.

Nachmittags sind es schon wieder 29 Grad. Wir hängen unsere Badeleiter an die Reling und schwimmen im Hafen. Abends noch ein bisschen spazieren rund um den Hafen. Riesige Schwärme von Schwalben ziehen über uns hin.

Abfahrt: 9:00 Ankunft: 11:45 Strecke: 27,2 km Schleusen: – Betriebsstd: 2:48

Montag, 5. August 2019

In Willemstad gibt es eine tolle Bäckerei „Bussing“, bei der Jutta sehr leckere Brötchen fürs Frühstück holt. Das Wetter ist heute ziemlich optimal, Sonne, Wolken, etwas Wind und 26 Grad. Wir fahren mit dem Rad zur Volkerak-Schleuse, die nicht weit vom Hafen liegt.

Sehr eindrucksvoll: Drei Schleusen zu je 340 Meter Länge für die Berufsfahrt, dazu eine separate Sportbootschleuse, und von der Aussichtsplattform lässt sich alles schön beobachten. Die großen Schiffe kommen am laufenden Band an. Die Volkerak-Schleuse ist die größe Binnenschifffahrtsanlage Europas. Danach noch eine kleine Rundfahrt durch den Ort, Einkauf bei Jumbo und zwei superleckere Himbeertörtchen in der Bäckerei Bussing.

Abends gehen wir im Restaurant „Pumpke“ essen, Kabeljau-Garnelen-Spieß mit Gemüse und Fritten für 14,50, dazu ein Westmalle-Dubbel vom Fass.

Dienstag, 5. August 2019

Wir genießen nochmal die tollen Brötchen von Bussing und legen um 9:30 ab. Die Fahrt geht über das vielbefahrene „Hollands Diep“ und um 11 Uhr hinter Eisenbahn- und Autobahnbrücke rechts ab in die Amer (für Beate: diesmal nicht zwischen den ankernden Leichtern hindurch!). Um 12 Uhr legen wir im Yachthafen Drimmelen an, auf demselben Platz übrigens (wie der Hafenmeister bei der Anmeldung feststellt) wie im vorigen Jahr.

Drimmelen ist ein toller Hafen, in dem wir immer wir immer wieder gerne liegen. Dazu gehört jedesmal ein kleiner Spaziergang durch den Verkaufshafen, in dem ich vor vier Jahren zum ersten Mal bewusst einen Kotter gesehen und mich in diese Bauform verliebt habe. Kurzer Besuch im Besucherzentrum, aber hier hat sich nichts getan, dafür gibt es aber einen neuen sehr gut bestückten Spar-Supermarkt. Um halb sieben der obligatorische Besuch der „Vistaria Rijk“, wo es den besten Kibbeling gibt, den wir bisher in den Niederlanden gegessen haben.

Abendstimmung im Hafen, der Wind hat nachgelassen und wir spielen ein bisschen Rummycub.

Abfahrt: 9:30 Ankunft: 12:00 Strecke: 27,7 km Schleusen: – Betriebsstd: 2:36

Mittwoch, 7. August 2019

Sonnig mit Wolken, 20 Grad. Nach dem Frühstück legen wir um 9:36 ab, heute haben wir eine ruhige und relativ kurze Fahrt auf der Amer und Bergschen Maas. Um 11:45 sind wir in Heusden, Wir sollen auf Platz 102 anlegen, das ist ein Platz direkt am Havenkantoor. Der Hafen ist ziemlich eng, der Platz auch. In der Box liegt schon ein 14-Meter-Boot, recht breit, viel Platz zum Ausholen ist auch nicht, aber es gelingt mir, perfekt einzuparken, so dass der Skipper des anderen Bootes, der schon etwas besorgt guckte, „sehr gut angelegt“ äußerte.

Auf der anderen Seite liegt ein schöner Kotter, dessen Skipper mich dann anspricht: „Sie sind doch der Mann, der neulich Pech hatte“. Tatsächlich hatten die beiden in der Schleuse Lith bei dem Malheur mit dem Stromausfall hinter uns gelegen. Nachmittags machen wir einen Spaziergang durch den Ort, immer wieder schön. Im kleinen Stadthafen liegen wieder viel zu große Boote, und immer wieder versucht noch jemand, dazu zu kommen.

Abends gehen wir im Eetcafé „Havenzicht“ essen, Jutta einen Salat und ich zum ersten Mal in diesem Urlaub Spareribs, lecker und nicht zu teuer. Zum Schluss noch Chillen auf dem Achterdeck, der Wind hat inzwischen nachgelassen.

Abfahrt: 9:36 Ankunft: 11:45 Strecke: 23,8 km Schleusen: – Betriebsstd: 2:10

Donnerstag, 8. August 2019

Jutta joggt zur Bäckerei, um 9:20 legen wir ab. Der Hafen ist sehr eng, aber es klappt trotzdem gut. Um 12 Uhr sind wir in der Schleuse Lith mit vielen anderen Yachten, und trotz der Erinnerung an die Panne auf der Hinfahrt mache ich den Motor aus, und er springt natürlich auch problemlos ohne Vorglühen wieder an.

Unterwegs kommt uns der Combikotter „Compaen“ entgegen, mit dessen Besitzer Kees wir in Dordrecht geplaudert haben, danach noch der Combikotter 1300 (= unser Modell), den wir letztes Jahr in Plasmolen gesehen haben. Um 13:50 sind wir in Gouden Ham am selben Steg wie auf der Hinfahrt, allerdings ist der Wind von steuerbord so stark, dass wir in letzter Minute die geplante Anlegeseite von rechts auf links ändern müssen. Beim Mittagessen erscheinen wieder die unglaublich aufdringlichen Wespen, so dass wir uns mit dem Essen nach drinnen verziehen. Nachmittags wollen wir endlich mal die berühmten „Gärten von Appeltern“ besichtigen. Das lohnt sich für den Garteninteressierten wirklich. Eine unglaubliche Vielfalt von Blumen, Pflanzen und Gartenstilen.

Um 18 Uhr sind wir zurück an Bord und statt warmem Abendessen gibts heute „Borrelen“ mit kleinen Leckereien.

Abfahrt: 9:20 Ankunft: 13:50 Strecke: 40 km Schleusen: 1 Betriebsstd: 4:00

Freitag, 9. August 2019

Es ist bedeckt und windstill mit leichtem Regen, als wir um 9:10 in Gouden Ham losfahren. Wir hatten ursprünglich vor, hier noch einen Tag zu bleiben, haben aber dann umdisponiert und fahren heute schon nach Plasmolen weiter. Um 11 Uhr kommen wir zur Schleuse Grave, da sind schon eine ganze Reihe Boote drin, aber ich melde uns per Funk an und sie warten noch auf uns und zwei andere Boote. Wir fahren als letzte ein, direkt hinter uns geht das Tor zu und 15 Minuten später sind wir schon wieder draußen: Rekordzeit für Grave! Ab 11:30 fängt es kräftig an zu regnen, zum ersten Mal in diesem Urlaub. Aber unsere drei Scheibenwischer halten die Sicht perfekt frei.

Um 12:50 legen wir in Plasmolen wieder am Passantensteg an. Kurze Zeit später drängt sich noch ein holländisches Boot in die Lücke hinter uns, obwohl gegenüber noch viel Platz ist, und schafft es nur mit Mühe und leichter Schlauchbootberührung, in die enge Lücke einzuparken. Mittagessen gibt es heute mal am Essplatz in der Pantry.

Abfahrt: 9:10 Ankunft: 12:50 Strecke: 34 km Schleusen: 1 Betriebsstd: 3:25

Samstag, 10. August 2019

Das Wetter ist nicht so schön, bedeckt mit viel Wind und starken Böen. Wir fahren um 11 Uhr zur Fähre nach Cuijk, ssetzen mit den Fahrrädern für 1,60 Euro über und bummeln durchs Städtchen. Viel hat Cuijk nicht zu bieten, aber wir entdecken einen tollen riesigen Laden für Küche und Wohnen, „Via Canella“. Dort erfüllt sich jeder von uns einen lange gehegten Wunsch: Jutta bekommt vier große tiefe Pastateller, ich vier Mini-Schmortöpfchen von Le Creuset mit passendem Kochbuch.

Im Viswinkel nehmen wir noch eine Portion sehr guten Kibbeling zu uns, dann geht’s bei leichtem Nieselregen zurück aufs Boot. Um 18 Uhr sehen wir an Bord die Zusammenfassung der DFB-Pokalspiele, Alemannia Aachen verliert erwartungsgemäß, hat aber nicht schlehct gespielt. Der Wind lässt nach, wir sitzen noch lange an Deck.

Sonntag, 11. August 2019

Das Wetter ist wieder etwas besser, 23 Grad mit ein paar Wolken. Wir lassen es ruhig angehen. Mittags sitzen wir auf dem Achterdeck, als plötzlich ein wahrscheinlich selbstgebautes Wasserfahrzeug, zwei zusammengedengelte Surfbretter mit einem Sitz oben drauf und einem großen Segel quer durch den Hafen auf unser Boot zusteuert. Darauf ein hilfloser junger Mann, der panikartige Rufe ausstößt und das Gefährt offensichtlich nicht steuern kann, Jutta ruft noch „Nein, nein“, aber da ist es schon geschehen, er knallt gegen unsere Bordwand. Ein paar weiße Spuren sind zu sehen. Er gibt uns seinen Namen und seine Telefonnummer, dann schleppt ihn eine Schlauchbootbesatzung, die das Ganze beobachtet hat, unter großen Mühen aus dem Hafen.

Bei näherer Untersuchung stellen wir fest, dass die Spuren hauptsächlich Abrieb von seinem Brett sind, nach Abwischen bleibt nur ein keiner Kratzer zurück, mit dem wir leben können. Um halb vier kommt mein Bruder in den Hafen und holt uns mit dem Auto ab nach Kleve, wo wir seit dem Tod meiner Mutter im Juli 2019 zum ersten Mal wieder sind. Wir besuchen das Grab mit der schönen Skulptur, die Günther gemacht hat.

Danach Kaffeetrinken bei Günther und Isa, und Abendessen im „Villa Nova“, einem griechischen Restaurant in einer sehr schönen großzügigen Villa in der Tiergartenstraße. Günther bringt uns danach zurück nach Plasmolen, der Wind hat sich gelegt und wir sitzen noch lange an Deck.

Montag, 12. August 2019

Jutta holt um 8 Uhr die bekannten leckeren dunklen Brötchen aus dem Campingsupermarkt, und um 9 Uhr starten wir in Richtung Leukermeer. Um 10:50 sind wir an der Schleuse Sambeek, zwei Berufsschiffe fahren vor uns ein, wir liegen ganz hinten, und um 11:25 sind wir ohne Probleme wieder draußen. Um 13 Uhr sind wir am Leukermeer, fahren mal bis hinten zur Schleuse durch, um uns die neuen Stege anzusehen, aber die Stege, an denen man übernachten darf, sind alle noch ohne Landzugang, also fahren wir doch wieder zum Jachthafen. Wir haben zuerst vor, am Passantensteg Richtung See anzulegen, aber die Lücke ist bei dem starken Wind ein bisschen schmal, und so legen wir auf der Rückseite an, wo eine ganze Box frei ist. Mittagessen, Schwimmen, Lesen, und um 17 Uhr ein kräftiges Gewitter. Als der Regen nachlässt, fährt Jutta zum kleinen Supermarkt und kauft ein bisschen fürs Abendessen ein, und ich mache dann leckere Hamburger.

Abfahrt: 9:00 Ankunft: 13:00 Strecke: 35,6 km Schleusen: 1 Betriebsstd: 3:43

Dienstag, 13. August 2019

Frühstück um 8 Uhr, nur 14 Grad, bedeckt und etwas Wind, später sonnig und 20 Grad. Um 9:10 geht’s los und da wir heute nur 26 Kilometer und keine Schleuse haben, legen wir schon um 11:40 in Venlo beim WSV an. Wir haben uns vorgenommen, mal mit dem „Wassertaxi“ vom Hafen in die Stadt zu fahren, und da das schon um 13:30 fährt, ziehen wir die Mittagspause vor und essen dann in der Stadt einen Kibbeling. Eine lustige Gesellschaft von 6 Leuten fährt im Taxi: Die Besitzer einer schönen Super van Craft mit dem Namen „Couronne“, die wir gestern schon im Leukermeer gesehen haben, ein Paar mit Wohmobil und wir.

Man unterhält sich sehr nett. Die Couronne-Leute liegen mit Thommy Engel und den Kölner Super van Craft-Leuten im Hafen Nautilus in Roermond. Wir bummeln durch Venlo, essen Eis und kaufen dann bei „Benders“ ein, dem tollen riesigen Delikatessenladen am Markt. Auf dem Weg zum Boot werden wir von einem heftige Regen überrascht und gönnen uns ein „La Trappe Dubbel“ im „Dorstigen Haen“.

Um 17 Uhr fährt uns das Wassertaxi zurück. Kleines Abendessen an Bord, danach noch ein ZDF-Krimi mit wieder einmal haarsträubenden Drehbucheinfällen.

Abfahrt: 9:10 Ankunft: 11:40 Strecke: 25,8 km Schleusen: – Betriebsstd: 2:30

Mittwoch, 14. August 2019

Es ist windstill und sonnig, aber kalt (11 Grad), später 22 Grad und der Wind frischt auf 5 Beaufort auf. Um 9:10 starten wir, winken noch mal den Couronne-Leuten zu und ab geht’s auf die Maas, vorbei an Venlo. 10:05 bis 10:35 sind wir in der Schleuse Belfeld mit zwei Yachten hinter einem Berufsschiff. Der lässt zunächst heftig die Schraube laufen und macht uns heftig Strömung, dann bleibt es aber bei der Schleusung unkompliziert. Auch die Schleuse Heel ist dank Schwimmpollern mit einer Leine zu bewältigen und um 13:40 sind wir am Passantenhafen Maasbracht. Es ist inzwischen sehr windig, der Wind kommt genau von der Seite, was beim Anlegen sehr ungemütlich ist. Eine Box ist noch frei, der erste Anlegeversuch klappt noch nicht ganz, der zweite haut dann aber hin und dann sind auch schon drei starke Helfer da, die die Leinen annehmen.

Wir gehen kurz in den Marineladen, der wirklich große Auswahl hat, finden aber nichts, was wir brauchen könnten, und ziehen dann am Automaten 500 Euro, da wir morgen bei Tullemanns tanken wollen und der nur Bargeld nimmt. Abends wieder griechisch essen im El Greco dirckt am Hafen.

Abfahrt: 9:10 Ankunft: 13:40 Strecke: 37,3 km Schleusen: 2 Betriebsstd: 4:00

Donnerstag, 15. August 2019

Um 8:40 fahren wir aus dem Hafen und legen gegenüber bei Tullemanns zum Tanken an. Der Diesel kostet immer noch sehr günstige 1,19 Euro und wir tanken 333 Liter. Das entspricht einem Durchschnittsverbrauch auf dieser Reise von 6,7 Liter und liegt damit genauso hoch wie im vorige Jahr. Beim Tanken zu Beginn der Reise waren wir auf 7,5 Liter/h gekommen, aber da war die Dieselheizung im Winter mit drin. Eine Viertelstunde müssen wir dann noch auf die Schleuse Maasbracht warten, dann geht es gaz hinten an den Pollern 2 und 4 in 25 Minuten problemlos nach oben. Den Julianakanal kennen wir ja nun schon sehr gut, um 10:50 sind wir an der Schleuse Born. Die gleiche Gruppe wie in Maasbracht ist immer noch zusammen, ein Berufsschiff, eine Yacht und wir, und die Mittelschleuse ist auf dem Weg nach unten, Das dauert aber eine halbe Stunde, während der wir im Wind vor der Einfart herumdümpeln. Die Mittelschleuse ist riesig (225 Meter), wir liegen wieder an den letzten beiden Pollern und in 25 Minuten sind wir draußen.

Um 14:15 legen wir nach drei Wochen und fünf Tagen wieder an unserem Liegeplatz in der Marina Maastricht an.

Abends gehen wir dann noch wirklich sehr gut essen im Eetcadé „Aon’t Bat“ in Eijsden und verbinden damit das Schöne mit dem Nützlichen, denn darüber muss ich am Wochenende noch eine Kritik für den Gastroguide Euregio schreiben.

Abfahrt: 8:40 Ankunft: 14:15 Strecke: 41,3 km Schleusen: 2 Betriebsstd: 4:50

26 Tage waren wir unterwegs
579 Kilometer sind wir gefahren in
59 Betriebsstunden durch
14 Schleusen und haben
395 Liter Diesel verbraucht.